Covit-Exit: Das schlagen die Wissenschaftler der Leopoldina vor

Kommt der Covit-Exit: 2 Hände mit Gummihandschuhen halten einen Mundschutz mit dieser Beschriftung

Wann kommt der Covit-Exit? Und wie kann er sinnvoll durchgeführt werden? Waren alle bisher ergriffenen Maßnahmen sinnvoll, nachvollziehbar und den Bürgern vermittelbar? An welchen Stellen muss nachjustiert werden? Welche Ausstiegs-Szenarien sind für Gesellschaft und Wirtschaft erträglich und verträglich? Diese Fragen stellen sich jeden Tag immer mehr Bürger auf der ganzen Welt. Die durch den Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufenen drastischen Maßnahmen haben weitreichende Folgen – weltweit.

26 renommierte Fachleute und Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen haben für die Akademie der Wissenschaften („Leopoldina“) ein Konzept für den „Covexit“ in Deutschland erarbeitet. Dr. Sebastian Becher von der Kieferchirurgie Königsallee hat sich das Konzept angeschaut und die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Was ist die „Leopoldina“

Die „Leopoldina“ ist eine naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft. Die heute in Halle an der Saale ansässige Akademie wurde bereits 1562 gegründet und später nach Kaiser Leopold I. benannt. Sie wurde 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt.  

Ihre Aufgabe ist die Beratung der Politik. In dieser Funktion legt die Leopoldina gemäß eigenem Leitbild „fachkompetent, unabhängig, transparent und vorausschauend Empfehlungen zu gesellschaftlich relevanten Themen vor“. Sie vertritt keine wirtschaftlichen oder politischen Interessen.

Empfehlung: Entscheidungsgrundlagen für einen Covit-Exit verbessern

Die Erhebung von Infektions- und Immunitätsstatus der Bevölkerung in Deutschland muss substantiell verbessert werden, um den Covit-Exit besser planen zu können: „Die bisher stark symptomgeleiteten Datenerhebungen führen zu einer verzerrten Wahrnehmung des Infektionsgeschehens“ (Quelle: Dritte Ad-hoc-Stellungnahme: Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden vom 13.04.2020, Seite 2).

Ein Vorschlag der Leopoldina zum Covit-Exit ist die Corona-AppDie Leopoldina empfiehlt deshalb, daß in allen deutschen Landkreisen und Städten Statistik-relevante Testgruppen gebildet werden. Sie sollen nach Alter, Geschlecht und Gesundheitsstatus dem Durchschnitt entsprechen. Die dadurch gewonnen Daten lassen einen zuverlässigen Rückschluss auf die gesamte Bevölkerung zu. Daraus ergibt sich ein „Corona-Radar“, das zuverlässig anzeigt, wo statistisch außergewöhnliche Häufungen von Corona-Erkrankungen oder -Heilungen auftreten. „Dadurch kann lokal, räumlich eng begrenzt und zeitnah reagiert werden, ohne ein ganzes Land in Quarantäne zu schicken“, so Dr. Becher.

Die Wissenschaftler versprechen sich auch positive Wirkungen von einer Corona-App: „Dabei sollte die Nutzung von freiwillig bereitgestellten GPS-Daten in Kombination mit Contact-Tracing […] möglich sein. Dies würde die Präzision heute verfügbarer Modelle steigern, um insbesondere eine kontextabhängige, örtliche Auflösung und damit eine differenzierte Vorhersage des Pandemieverlaufs zu erlauben.“ Dr. Becher begrüßt die Entwicklung einer solchen Smartphone-App: „Wenn jemand zu eng in Kontakt mit einer infizierten Person geraten ist, dann wird er darüber informiert und gewarnt“. 

Empfehlung: Verpflichtender Mund-Nasen-Schutz

Die Wissenschaftler der Leopoldina halten es unter gewissen Voraussetzungen für möglich und erforderlich, das öffentliche Leben schrittweise wieder zu normalisieren. Die Normalisierung bei einem Covit-Exit solle allerdings mit deutlich reduzierten Gruppengrößen begonnen werden, damit das Abstandsgebot eingehalten werden kann. Die folgenden Bedingungen müssten erfüllt sein:

  1. Die Neuinfektionen stabilisieren sich auf niedrigem Niveau
  2. Die Versorgung „normaler“ Patienten wird wieder regulär aufgenommen und notwendige klinische Reservekapazitäten werden aufgebaut
  3. Die bekannten Schutzmaßnahmen (Hygienemaßnahmen, Mund- Nasen-Schutz, Distanzregeln, zunehmende Identifikation von Infizierten) werden diszipliniert eingehalten

(Quelle: Dritte Ad-hoc-Stellungnahme: Coronavirus-Pandemie – Die Krise nachhaltig überwinden vom 13.04.2020, Seite 3).

Grafik "Abstand halten" mit 2 Meter-MarkenSo könnten unter besonderer Berücksichtigung von „social distancing“ zunächst Einzelhandel sowie Gaststätten und Hotels wieder öffnen. Darüber hinaus könne der dienstliche und geschäftliche Publikumsverkehr wieder aufgenommen und schrittweise normalisiert werden.

Zu der Öffnung von Kindertagesstätten haben die Wissenschaftler eine klare Haltung: „Da kleinere Kinder sich nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten können, gleichzeitig aber die Infektion weitergeben können, sollte der Betrieb in Kindertagesstätten nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden.“

Covit-Exit: Dr. Becher begrüßt die Empfehlungen

Dr. Sebastian Becher zum Covit-ExitDr. Becher begrüßt die Empfehlungen der Leopoldina ausdrücklich. Er verweist darauf, dass die Kieferchirurgie Königsallee bereits vor der Ansprache von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vom 18.03.2020 alle erforderlichen Hygiene-Maßnahmen ergriffen hatte: „Wir sind schon sehr frühzeitig über die ohnehin schon strengen Hygienerichtlinien hinausgegangen“.

Dem sei es zu verdanken, so Dr. Becher, dass die Praxis immer geöffnet geblieben ist und im Dienste der Zahngesundheit geöffnet bleibt: „Gleichwohl freuen wir uns, wenn nach einem Covit-Exit wieder Normalität einkehrt!“ Dass dies letzten Endes bis zur Anwendung eines erfolgreich getesteten Impfschutzes dauern wird, darüber sollten sich aber alle im Klaren sein.